Frühlingsahnen
O. Wermann
Was giebt's, daß vom Horste
An der zackigen Kluft
Der Adler schon steigt
Und hängt überm Forste
In der stillen Luft,
Wenn alles noch schweigt?
Ich hörte in Träumen
Ein Rauschen gehn,
Sah die Gipfel sich säumen
von allen Höhn, --
Ist's ein Brand, ist's die Sonne?
Ich weiß es nicht,
Aber ein Schauer voll Wonne
Durch die Wälder bricht.
Die gebunden da lauern,
Sprengt' Riegel und Gruft,
Du ahnend' Schauern
Der Felsenkluft
Unsichtbar ringen in der stillen Luft,
Du träumend Singen
Im Morgenduft!
Brecht auf, schon ruft
Der webende, blaue
Frühling durchs Thal.