Frühlingslied
O. Wermann
Wenn Vöglein ihre Nester bauen,
Wenn an den Bäumen sproßt das Laub
Und auf den reichbeblümten Auen
Glänzt Morgenthau und Blüthenstaub,
Dann klingt's auf Erden weit und breit:
Grüß Gott, du schöne Frühlingszeit!
Aus blauem Duft die Berge grüßen,
Darüber hin ein Wölkchen schwebt,
Der dunkle Wald zu ihren Füßen
Wie betend seine Häupter hebt;
Die Amsel ruft, der Kuckuck schreit:
Grüß Gott, du schöne Frühlingszeit!
Die Sonne bricht aus goldnen Thoren,
Durch junges Laub die Winde wehn;
Mein Herz fühlt sich wie neugeboren,
Will sich die grüne Welt besehn:
So fahret aus denn, Gram und Leid!
Grüß Gott, du schöne Frühlingszeit!