Im Meergrund wohnt der Wassermann

O. Wermann

Im Meergrund wohnt der Wassermann;

Da steht sein stolzes Schloß,

Da hat er funkelnde Gärten

Und reichen Dienertroß.

In schöner, klarer Vollmondnacht

Fängt er zu singen an,

Doch selig wird er nimmer,

Der arme Wassermann.

Sein Schloß sich aus den Wogen hebt,

Ist farbig -- bunt erhellt.

Ihm fehlt nur eins -- der Frieden! --

In seiner Zauberwelt.

Die weiße Taube schickt er aus,

Die Möve, nach dem Strand,

Daß sie ein Oelblatt brächte

Ihm von dem Friedensland.

Doch eh' die Möve wiederkehrt,

Versinkt sein Schloß in's Meer.

Der Morgen kommt, die Möve,

Sie flattert hin und her.

Es rauscht und klingt wie leiser Sang

Herauf vom Grunde dann. --

O, selig wird er nimmer,

Der arme Wassermann!