Der öde Garten

Othmar Schoeck

Einsamer Garten,

Öde und leer,

Grämt dich das Warten?

Kommt sie nicht mehr?

Stehst so verstummet,

Sonneverbrannt,

Bienchen nur summet

Müde durchs Land.

Blühet ein andrer

Garten so fern,

Aber der Wandrer

Sieht ihn nicht gern,

Dorten gar stille

Ging sie zur Ruh,

Blumen die Fülle

Decken sie zu.

Rosen und Nelken,

Die sie gehegt,

Müsset nun welken,

Niemand euch pflegt!

Nimmer ach! pflückt sie

Röselein roth,

Rose, geknickt sie

Selber vom Tod!

Bläulich gesandelt,

Schattiger Gang,

Wo sie gewandelt

Oft mit Gesang,

Magst dich begrasen

Traurig mit Grün,

Ueber den Rasen

Lüfte nur ziehn!

Wehende Ranken,

Geisblattgeäst,

Süßer Gedanken

Trauliches Nest,

Schattige Laube,

Sinke nur ein,

Ach, meine Taube

Denkt nicht mehr dein!

Ragende Tannen,

Ihr dort am Zaun,

Wollt ihr von dannen

Aus nach ihr schaun?

Beben die düstern

Zweige, als rühr'

Sanft sie ein Flüstern

Geistweis von ihr!

Einsamer Garten,

Öde und leer,

Grämt dich das Warten?

Kommt sie nicht mehr?

Stehst so verstummet,

Sonneverbrannt,

Bienchen nur summet

Müde durchs Land.