Denn, Herr, die großen Städte sind verloren

P. Coenen

Denn, Herr, die großen Städte sind

Verlorene und Aufgelöste;

wie Flucht vor Flammen ist die größte, -

und ist kein Trost, dass er sie tröste,

und ihre kleine Zeit verrinnt.

Da leben Menschen, leben schlecht und schwer,

in tiefen Zimmern, bange von Gebärde,

geängsteter denn eine Erstlingsherde;

und draußen wacht und atmet deine Erde,

sie aber sind und wissen es nicht mehr.

Da wachsen Kinder auf an Fensterstufen,

die immer in demselben Schatten sind,

und wissen nicht, dass draußen Blumen rufen

zu einem Tag voll Weite, Glück und Wind, -

und müssen Kind sein und sind traurig Kind.

Da blühen Jungfraun auf zum Unbekannten

und sehnen sich nach ihrer Kindheit Ruh;

das aber ist nicht da, wofür sie brannten,

und zitternd schließen sie sich wieder zu.

Und haben in verhüllten Hinterzimmern

die Tage der enttäuschten Mutterschaft,

der langen Nächte willenloses Wimmern

und kalte Jahre ohne Kampf und Kraft.

Und ganz im Dunkel stehn die Sterbebetten,

und langsam sehnen sie sich dazu hin;

und sterben lange, sterben wie in Ketten

und gehen aus wie eine Bettlerin.