Der Page
P. Duchambge
Ich verließ meine Lieben,
nicht genügte mein Los,
den Pagendienst zu üben
im stolzen Grafenschloss.
Der Graf ist reich und mächtig,
er steht dem Throne nah,
d'rum ist dort alles prächtig,
wie ich noch nie es sah.
Doch aus dem Marmorsaale
zieht's mich zum stillen Tale,
denn Laura wohnet da.
Ich kann nicht glücklich sein,
als in dem stillen Tale,
bei Laura nur allein,
bei ihr nur ganz allein.
Wann die Gräfin will reiten
und den Zelter besteigt,
dann darf ich sie begleiten,
der keine Schönheit gleicht.
Dann bin ich reich geschmücket
im purpurnen Gewand,
und meinen Busen drücket
ein strahlend Ordensband.
Doch unter diesem Schimmer
trag' ich das Blümchen immer,
gepflückt von Lauras Hand.
Ich kann nicht glücklich sein,
als in dem stillen Tale,
bei Laura nur allein,
bei ihr nur ganz allein.
Taut der Abend hernieder,
gibt es Tanz und Gesang,
man singt kunstvolle Lieder
beim lauten Harfenklang.
Man singt vom heißen Triebe
in Hütten und am Thron,
von stiller, treuer Liebe
und ihrem süßen Lohn.
Doch tönt im Herzen leise
mir Lauras sanfte Weise,
ihr seelenvoller Ton.
Ich kann nicht glücklich sein,
als in dem stillen Tale,
bei Laura nur allein,
bei ihr nur ganz allein.
Einstens sprach eine Dame,
und es war wohl kein Scherz,
verschwiegen sei ihr Name:
Gib, Page, mir dein Herz!
Aus ihren Augen blickte
der Liebe Zauberschein,
der fast mein Herz bestrickte;
ich konnte glücklich sein.
Doch treu bin ich geblieben,
weil ich will ewig lieben
nur, Laura, dich allein!
Ich kann nicht glücklich sein,
als in dem stillen Tale,
bei Laura nur allein,
bei ihr nur ganz allein.