Du mußt dir alles geben

Hindemith, Paul

Gib in dein Glück, dein Sterben,

Traum und Ahnen getauscht,

diese Stunde, ihr Werben

ist so doldenverrauscht,

Sichel und Sommermale

aus den Fluren gelenkt,

Krüge und Wasserschale

süß und müde gesenkt.

Du mußt dir alles geben,

Götter geben dir nicht,

gib dir das leise Verschweben

unter Rosen und Licht,

was je an Himmeln blaute,

gib dich in seinen Bann,

höre die letzten Laute

schweigend an.

Warst du so sehr der Eine,

hast das Dumpfe getan,

ach, es zieht schon die reine

stille gelöschte Bahn,

ach, schon die Stunde, jene

leichte im Spindellicht,

die von Rocken und Lehne

singend die Parze flicht.

Warst du der große Verlasser,

Tränen hingen dir an,

und Tränen sind hartes Wasser,

das über Steine rann,

es ist alles vollendet,

Tränen und Zürnen nicht,

alles wogengeblendet

dein in Rosen und Licht.

Süße Stunde. O Altern!

Schon das Wappen verschenkt:

Stier und Fackelhaltern

und die Fackel gesenkt,

nun von Stränden, von Liden,

einem Orangenmeer

tief in Schwärmen Sphingiden

führen die Schatten her.

Gabst dir alles alleine,

gib dir das letzte Glück,

nimm die Olivenhaine

dir die Säulen zurück,

ach, schon lösen sich Glieder

und in dein letztes Gesicht

steigen Boten hernieder

ganz in Rosen und Licht.