Niemals wieder will ich eines Menschen Antlitz verlachen

Hindemith, Paul

Niemals wieder will ich

Eines Menschen Antlitz verlachen.

Niemals wieder will ich

Eines Menschen Wesen richten.

Wohl gibt es Kannibalen-Stirnen.

Wohl gibt es Kuppler-Augen.

Wohl gibt es Vielfraß-Lippen.

Aber plötzlich

Aus der dumpfen Rede

Des leichthin Gerichteten,

Aus einem hilflosen Schulterzucken

Wehte mir zarter Lindenduft

Unserer fernen seligen Heimat,

Und ich bereute gerissenes Urteil.

Noch im schlammigsten Antlitz

Harret das Gott-Licht seiner Entfaltung.

Die gierigen Herzen greifen nach Kot –

Aber in jedem

Geborenen Menschen

Ist mir die Heimkunft des Heilands verheißen.