Abendlied eines Hirten
P. Kayser
Goldne Sonne! fliehst du schon?
Hör' aus diesen Mirthen
Noch den stillen Flötenton
Eines frommen Hirten.
Dir sei Dank! nun heut einmal
Nach dem langen Regen,
Trieb' ich wieder deinem Strahl
Meine Heerd' entgegen.
Munterkeit und Freude kam
Wieder auf die Erde;
Froher war das kleine Lamm
Und die ganze Heerde.
Frischbeschwemmet hüpfte sie
Unter deinen Strahlen;
Weisser wird ein Maler nie
Lieb' und Unschuld malen.
Auch kam mit dem Mittagmahl
Galathee zu frühe,
Mir zu sagen, daß im Thal
Alles lach' und blühe.
Du und meine Galathee
Seid mir auf der Weide,
Unter allem, was ich seh,
Meine größte Freude.
Unbeflecket gehest du
Zu der Ruhe nieder,
Unbeflecket von der Ruh
Kömmst du morgen wieder.
Unbeflecket will auch ich
Zu der Ruhe gehen;
Unbeflecket sollst du mich
Morgen wieder sehen.