Die Morgensonne
P. Kayser
Sie kommt, die Morgensonne!
Der Hain erwacht!
Die Vögel jauchzen Wonne,
Der Hügel lacht;
Sie geht mit ausgegoßnem Strahl,
Und steiget schon ins niedre Thal.
Seht, zart hervorgesprossen
Das Wiesengrün,
Mit Blümchen, drein gegossen,
Im Thaue glühn!
Das allerkleinste Tröpchen füllt
Der strahlenreichen Sonne Bild.
Die Lämmerheerde weidet
Am Hügel dort,
Und wandelt unbeneidet
Stets weiter fort.
Der Hirt, gelehnt auf seinen Stab,
Singt ruhig in das Thal herab.
Indessen steigt Climene
Aus weichem Pflaum,
Und denkt mit stiller Thräne
An ihren Traum,
Wo Thirsis unter Kuss und Spiel
Erblaßt zu ihren Füssen fiel.