Lied einer Schäferin

P. Kayser

O! ich höre, wie beim Quell

Meines hirten Stimme schallet,

Dorten, wo er spiegelhell

Durch die Felsen wallet.

Soll ich, Himmel, soll ich ihm

Nahen oder ihm entfliehen?

Götter! welch ein Ungestüm

Bebt in meinen Knien!

Solche Stimme, solchen Klang

Hab' ich nie von ihm gehöret;

Horch! er singet den Gesang,

Den ich ihn gelehret:

"Meinen Schäfer lieb' ich mehr

A; s die Lämmer ihre Spiele;

Treibe deine Heerde her,

Schäfer, hier ins Kühle!

Hier im Kühlen sollen mir

Deine Lippen neues Leben,

Neues Leben sollen dir

Meine Lippen geben."

Seine Stimme reißt mich hin;

Allmacht ist es, was ich fühle. --

Schäfer, deine Schäferin

Eilt zu dir ins Kühle.