Sulamith im Weingarten
P. Lange-Müller
Ich vernahm auf dem Gihon der Hirten Sang,
von Salomons Haar flossen Ströme der Salbung hernieder.
Er stieg von dem Berge herab mit erhabenem Gang -
nun weicht aus Sulamiths Träumen er nimmer wieder.
Und ich blickte empor von des Berges Fuß;
sie geleiten Bathsebas Sohn, den Thron zu besteigen.
Bei den Jungfrauen stand ich, die sangen zu Salomons Preis,
doch stumm blieb Sulamiths Mund in freudigem Schweigen.
Und ich barg wie verschämt meiner Wange Glut,
da traf mich feurig ein Strahl aus Salomons Blicken,
und der einzige Strahl ein Glutmeer ins Herz mir ergoss;
unter Beben weilet nun Sulamith voll Entzücken!