Lied vom Herzen
P. Lincke
Ich hab' so manche bange Nacht
in Tränen wachend zugebracht
und wieder auch gescherzt, gelacht
beim trauten Liebesspiel.
Für eig'nen Schmerz wie fremdes Leid,
da öffnet sich mein Herz so weit,
den Kummer wie die Seligkeit
empfinde ich gleichviel.
Mein Herz gleicht ganz dem Meere,
hat Sturm und Ebb' und Flut,
doch manche schöne Perle
in seiner Tiefe ruht!
Ich küsste ros'ge Lippen oft
und hab' verzagt wie auch gehofft,
war lieb und wieder abgeschrofft,
ganz wie's mein Herz empfand.
Wo gut man mir entgegen kam,
mit Lieb' und Dankbarkeit ich nahm
jedwede Gabe ohne Scham,
wenn Seligkeit mich band.
Mein Herz gleicht ganz dem Meere,
hat Sturm und Ebb' und Flut,
doch manche schöne Perle
in seiner Tiefe ruht!
Nach Regen folgt stets Sonnenschein,
das Glück stellt nach dem Leid sich ein,
d'rum soll mein Herz mein Führer sein
im irdischen Gewühl.
Wenn Zweifel in der Brust mir lebt,
ein falsches Wort mich auch durchbebt,
nur eins mich hoffnungsvoll erhebt,
und das ist mein Gefühl.
Vertraue deinem Herzen
und tue, was es spricht;
die Menschheit kann dich täuschen,
dein Herze täuscht dich nicht.