Ungeliebt!

P. Lincke

Ich nenne mein nur wenig Habe

und trachte nicht nach Gut und Geld;

nur sie ist meine höchste Gabe

und all mein Glück auf dieser Welt.

Doch weil sie thront auf jenen Höhen,

die Überfluss und Glanz umgibt,

so wird sie mich wohl nie verstehen,

und ich weiß nicht, ob sie mich liebt!

Schon oft schlich ich bei ihr vorüber,

saß sie am Fenster ganz allein;

dann sah ich wohl zu ihr hinüber

in süßer, stummer Herzenspein.

Doch nie konnt' ich den Blick erspähen,

der Liebe lohnt und Hoffnung gibt;

drum wird sie mich wohl nie verstehen,

und ich weiß nicht, ob sie mich liebt!

So ruht ihr Bild zu allen Stunden

auf meines Herzens tiefstem Grund,

für ewig ist es ihm verbunden,

und doch fühlt es sich krank und wund.

Drum muss in Liebe es vergehen

für sie, die Glanz und Pracht umgibt,

denn sie wird nie mein Herz verstehen,

und es wird brechen ungeliebt!