Auf dem Turme
P. Lindpaintner
Da steh' ich auf dem alten Turm
Im Blitzesschein und Donnersturm,
Wo ich hinauf, hinab nur seh',
Dünkt Alles mir ein Feuersee.
Das ist so recht nach meinem Sinn,
Die Flammen zucken her und hin,
Bald erdenwärts, bald himmelwärts,
So wie die Liebe durch mein Herz.
Doch plötzlich wird es stumm und grau,
Der Mond tritt aus dem Wolkenblau,
Und Alles, was da unten lebt,
Das seh' ich wohl mit Glanz umwebt.
Im Schatten steht des Liebchens Haus,
D'rin welch ein Jauchzen, welch Gebraus!
Und Kerzenstrahlen tausendfach
Zieh'n durch das weite Prunkgemach.
Das ist der grellste Höllenschrei,
Der bricht mir wohl das Herz entzwei;
Das ist der grellste Höllenschein,
Der schneidet mir ins Herz hinein.
Und nun wird's stiller allzumal,
Die Gäste schwinden all' im Saal,
Die Kerzen löschen nach und nach,
Nur eine noch im Brautgemach!
Zertrümm're Turm, zerstürze Welt,
Wirf dich hinab aufs Haus,
Zerbrich, du Herz, vom Schmerz zerschellt, -
Jetzt lischt die letzte aus!!