Das Mädchen und die Blumen

P. Lindpaintner

Süße Blumen, seid willkommen

in des Jahres gold'ner Zeit;

ach, ihr seid so spät gekommen,

und der Sommer ist nicht weit.

Könnt ihr meine Stimme hören,

könnt ihr meine Blicke seh'n?

Sagt mir, welche will mich lehren,

euer leises Wort versteh'n?

Sagt mir, welche soll ich wählen

zur Gespielin in dem Mai?

Welche will mir gern erzählen,

wo die schöne Heimat sei?

Die Lilie:

Wähle mich! Mit reinem Kleide

schmückte mich der Mutter Hand,

Unschuld wurde mein Geschmeide,

und so bin ich dir verwandt.

Die Rose:

Wähle mich! Denn treu behüten

lehr' ich dich durch heil'ge Scham

deiner Jugend keusche Blüten

ohne Reue, ohne Gram.

Das Veilchen:

Wähle mich! Ein süß Verlangen

wohnt in meinem zarten Blau;

doch es kühlt die warmen Wangen

freundlich mir der reine Tau.

Der Rosmarin:

Wähle mich! Denn hoffend bindet

mich die junge Braut ins Haar;

wähle mich, denn hoffend windet

mich die Trauer um die Bahr'.

Das Mädchen:

O ihr Freundlichen, umgeben

sollt ihr alle meinen Mai,

sollt mir sagen, was im Leben,

was im Tod das Schönste sei.