Der Roland
P. Lindpaintner
O Morgenluft, die um das Banner weht
Im grünen Thal, wo sich die Feinde schaaren,
Das Kreuz des Schwertes fass' ich zum Gebet:
Herr, steh' mir bei zu trotzen den Gefahren.
Und nun an's Fechten! kling' mein Feldgeschrei,
Dem Schwarm zu künden daß ich nie erlahme;
Wer kämpfen fällt, der fällt als Held und frei!
Mein Arm dem Kaiser und mein Herz der Dame!
Du stolzer Feind, der mir den Pfad verwehrt,
Wirf trotzig mir die blanke Brust entgegen;
Noch schärfer als dein Drohen trifft mein Schwert,
Blick auf! Dich stellt ein kampfberühmter Degen.
Wer einmal nur den Rhein hinunter fuhr,
Der kennt mein Schlößlein, Roland ist mein Name!
Noch fester als mein Schlößlein ist mein Schwur:
Mein Arm dem Kaiser und mein Herz der Dame!
Die Speere klirren, mächtig braus't die Schlacht!
O Gott! mein Karl! wie fallen deine Krieger!
Der grimme Tod hat alle gleich gemacht,
Bei dem Besiegten liegt der blut'ge Sieger.
Doch nicht verzagt, will auch die Kraft entfliehn;
Nach dem Gefechte ist noch Zeit zum Grame,
Und froh zu sterben ziemt dem Paladin.
Mein Arm dem Kaiser und mein Herz der Dame!
Und Alle sanken, nur der Eine steht
Und stößt ins Horn: Den letzten Gruß, mein Kaiser!
So blutig wie die Sonne untergeht,
So blutig sind heut unsre Lorbeerreiser.
Mein Auge bricht, doch nicht mein Schwur dabei;
Die Treue dauert ewig wie mein Name.
Mein letzter Hauch, mein altes Feldgeschrei:
Mein Arm dem Kaiser und mein Herz der Dame!