Die heimliche Linde
P. Lindpaintner
Es grünt eine Lind' im verschwiegenen Wald,
die kennen nur ich und noch Einer,
da zieht es mich hin mit geheimer Gewalt,
warum? Das ergrübelt wohl keiner
Den Tag vor dem Scheiden, als rosig die Glut
der Sonn' in dem Abend verglommen,
da haben wir beide mit traurigem Mut
den Weg nach der Linde genommen.
Und als ich hier schluchzend den Trauten umfing
und bat, dass er treu mir verbliebe,
da gab er mir diesen verlobenden Ring
zum Pfande beständiger Liebe.
Ich schenkt' ihm beim Scheiden ein Messer von Gold,
worauf sich zwei Herzen umschlingen;
da bat er: Auch du sei getreu mir und hold,
so wird, was wir wünschen, gelingen.
D'rauf schnitt der Geliebte mit bebender Hand
die Namen von uns in die Linde,
umher ein verschlungenes deutendes Band,
das grub er wohl tief in die Rinde.
D'rum zieht mich zum Plätzchenmit süßer Gewalt
tagtäglich ein himmlisches Sehnen.
O kehre, mein Trauter o käm' er doch bald
und trocknete endlich die Tränen!