Heimat

P. Lindpaintner

Land, von milder Luft befächelt,

überstrahlt von heiter'm Sonnenschein,

Land, wo sanft die Ruhe lächelt,

stiller Friede schwebt auf Wies' und Hain,

wo ich einst so glücklich lebte,

gold'ne Tage süßer Kinderzeit,

froh der Eltern Herz erbebte,

selig bei der Kinder Seligkeit!

Süßes Land! Dein bin ich wieder,

müd' des Pilgerganges durch die Welt.

Heit'rer tönen meine Lieder,

wenn dein Licht auf meine Harfe fällt.

Liebend hast du mich erzogen,

liebend kehr' ich an dein Mutterherz

wie die Schwalb' im Herbst entflogen,

wiederkehrt im himmelblauen März.

Deine dunklen Tannenhöhen

glüh'n im Frühduft mir, wie wann entzückt

Freund dem Freund beim Wiedersehen

durch der Sehnsucht Flor ins Auge blickt.

Manche Hoffnung sank in Trümmer.

Neue, schön're dämmert meinem Geist,

seh' ich dich im Abendschimmer,

der an der Vogesen Saum zerfleußt.



Lächle mir, gleich einem Engel,

Der im stillen Glanz der Unschuld blüht,

Die Erinn'rung an die Mängel

Meines Lebens sanft aus dem Gemüth!

Gib bei guten, schönen Seelen

Mir der häßlichen Vergessenheit!

Bei'm Gesang von Philomelen

Lehre du mich ihre Zärtlichkeit!

Jedes Veilchen, jede Rose,

Einst mit Liebe kindlich dir entpflückt;

Seh' ich deinem milden Schoose

Neu entblüh'n, mit frischem Reiz geschmückt.

Flechten will ich sie zu Kränzen.

Die, so Wehmuth nicht auf Gräber streut,

Sollen an der Laube glänzen,

Euch, ihr theuern Lebenden! geweiht.