Mönch und Rose

P. Lindpaintner

Steht ein Mönch mit bleicher Wange

Vor dem blüh'nden Rosenhange,

Schaut im Morgenscheine golden

Wie so schön erglühn die Holden.

An das Jugendglück im Innern

Lebt nur mehr ein schwach Erinnern,

Und in heißverweinten Zähren

Ist erstorben sein Begehren.

Wie vom Todespfeil getroffen

Hat geendet längst sein Hoffen,

Und sein Herz zu rascher'n Schlägen

Kann nichts Ird'sches mehr bewegen.

Dennoch steht mit bleicher Wange

Oft der Mönch am Rosenhange,

Still betrachtend wie die Holden

Blüh'n im Morgenscheine golden.

Und ihn dünkt, mit klaren Lettern

Stünde auf den Rosenblättern

All und überall geschrieben:

"Bleicher Mönch, uns darfst du lieben!"