Rosenknospe
P. Lindpaintner
Rosenknospe blickte heimlich
Aus dem dichtbelaubten Strauch,
Möchte gar zu gerne trinken
Wonnig süßen Frühlingshauch.
Sieh, da schwebten Lenzeslüfte,
Flüsternd um das Rosenkind,
Und in Kindesunschuld öffnet
Röslein jetzt sein Herz geschwind.
Doch verblüht am andern Morgen,
Stand ein Röslein in dem Strauch,
Treulos blies ihm in die Seele
Lenznacht ihren frost'gen Hauch.
Zarte Knospe, zarte Rose,
Allzufrüh hast du vertraut;
Sahst du nicht des Lenzes Tücke,
Als du ihm in's Aug' geschaut?
Hüte dich, du kindlich Wesen,
Das zur Jungfrau sich erschließt,
Daß dir nicht im Liebeskosen
Gift in deine Seele fließt.