Rosenruf

P. Lindpaintner

Ich die Rose frank und frei,

Königin der Düfte,

sende dir Gesang im Mai

grüßend durch die Lüfte.

Dir, o treues Menschenherz,

treue Menschenseele,

dass der Kummer und der Schmerz

länger dich nicht quäle.

Blicke auf in Fröhlichkeit,

sieh in meine Reiche,

wie ich da an Seligkeit

keiner mich vergleiche.

Wie das Leid zerronnen ist

an des Lenzes Sonne,

und wie nun begonnen ist

namenlose Wonne.

Wie das alte Kummerlied

lautlos muss verklingen,

und wie nun mein Schlummerlied

Nachtigallen singen.

Wie ich selig malte ganz

als der Lust Vertreter,

wie ich mich entfalte ganz

in dem Freudenäther.

Auf, und tue es mir nach,

trage Lust im Herzen;

Lenze rufen dir es wach

aus den Winterschmerzen.

Auf, und schnell gestalte dich,

deine Schwingen übe,

auf, und hell entfalte dich,

dass dich alles liebe!