Schön Käthchen

P. Lindpaintner

Schön Käthchen saß am Rocken bang,

ihr Trauter blieb so lang'.

Sie zog die letzten Fäden heut'

zu ihrem Hochzeitskleid.

„Ach, hörst du, Mutter, hörst du nicht?

Das schöne Bäumchen bricht

vom wilden Sturm, das er zuletzt

am Pfingsttag mir gesetzt!“

„Die Luft ist still, es rauscht kein Wind;

doch hör' ich, armes Kind,

dass dir das sehnsuchtsvolle Herz

bricht von des Wartens Schmerz.“

„Sieh, Mutter, sieh, wie blass das Band,

das um den Flachs er wand,

als er vom Jahrmarkt kam zurück

mit holdem Liebesblick!“

„O nein, wie Morgenrot es glüht,

das vor der Sonne zieht.

Doch du, mein Kind, bist totenblass

wie das verwelkte Gras.“

Und totenblass voll Angst und Graus

eilt sie zur Tür hinaus,

und da sie eilt am Teich vorbei,

sinkt sie mit lautem Schrei.

Denn weh'! ein langer, stiller Zug

her aus der Mühle trug,

vom Rad zerschmettert, nach dem Damm

schön Käthchens Bräutigam.

Ein Grab umschloss den Jüngling bald

mit Käthchen schön und kalt;

die Mutter selbst ihr zitternd wand

ins Haar das Rosenband.