Der Sommer-Abend
P. Mašek
Mit der Sonne letztem Strale
Schmückt die Abendwolke sich;
In dem feuchten Buchenthale
Wird der Schatten schauerlich.
Jene Sänger auf den Zweigen,
Und der Lerchen Lieder schweigen;
In den Gärten füllt die Luft
Stärker der Violenduft.
Weibchen, horch, das ferne Brüllen
Satter Herden tönt so schön!
Siehst du hüpfend dort die Füllen
Mit den Rossen heimwärts gehen?
Sieh, mit umgestürztem Pfluge,
Und mit leergetrunknem Kruge,
Schleicht der Landmann nun der Ruhe
Seiner kleinen Hütte zu!
Weibchen, wie so schön! Zwar immer
War der Tag so reizend nicht!
Vor der Sonne milden Schimmer
Traten Wolken, schwarz und dicht.
Schwüle Mittagswinde stürmten,
Die den Staub wie Wogen thürmten;
Und der Donner hallte bald
Mit des Schreckens Allgewalt.
Doch nicht dauernd war dieß Beben
In den Pulsen der Natur.
Leise kam ein neues Leben
In die abgekühlte Flur.
Nicht zur Strafe, nur zum Segen
Floß des Allerhalters Regen.
Seiner Blitze Schwesellicht
Schreckte nur und fengte nicht.
Als im Nachhall dumpfer Töne
Nun der Sturm allmählig schwand;
Und in siebenfacher Schöne
Schon des Bundes Bogen stand;
Wurden nicht die Lüfte heller?
Floßen nicht die Bäche schneller?
Stieg erquickter Sänger Chor
Stärker nicht zu Gott empor?
Dieser Wechsel kurzer Stunden,
Möcht' er Bild und Tröstung seyn,
Wenn uns Schmerzen tief verwunden,
Wenn uns Gram und Schwermuth dräu'n!
Mancher heißen Tage Abend
Wird, wie dieser, kühl und labend;
Mancher Blitze furchtbar Licht
Kühlt die Luft, und zündet nicht.