Idylle vom Bodensee
P. Müller-Zürich
O glückselige Zeit, da der Jüngling blüht und die Jungfrau!
Unaufhaltsam gehst du dahin, nie wiederzukehren!
Gleich wie ein weitaussehendes Lied anhebet und freundlich
Jedem das Herz einnimmt (dies hoffet ein Sänger bescheiden),
Daß man der fliehenden Stunde nicht wahrnimmt und sich das Ende
Gerne verhüllt, doch kommt es zuletzt und die Töne verstummen:
Also verrinnt die gemessene Frist anmutiger Jugend.
Zwar auch der Mann, der dem Haus vorsteht und neben dem Weibe
Blühende Kinder ernährt, noch über die Mitte des Lebens
Grünet er neidenswert: dann aber empfängt ihn das Alter
Schon mit unwillkommenem Gruß, und dringet ihm Freundschaft
Auf, die jeden beschämt und welcher doch alle sich fügen,
Ehe das Bitterste naht; denn lieb ist das Leben auch so noch.