Die holden Rosen sind dahin
P. Salis
Nicht klag' ich um den Schmuck der Bäume,
Die kahl schon trauern um mich her,
Im kalten Herbstreif meiner Träume
Gedeiht das grüne Blatt nicht mehr,
Nicht kann wie sonst zum Wald ich tragen
Den heitern, frühlingsfrischen Sinn --
Nur um die Rosen laßt mich klagen,
Die holden Rosen sind dahin!
Seit sie mit ihren zarten Farben,
Mit ihren Wangen weiß und roth,
Mit ihrem süßen Dufte starben,
Ist Alles freudenleer und todt;
Als sie den Kelch noch stolz getragen,
War schon des Abschieds Thräne d'rin --
Nur um die Rosen laßt mich klagen,
Die holden Rosen sind dahin!
Noch weiß ich eine Rose blühen
Inmitten all' der öden Flur,
Doch führt kein Ringen mich und Mühen
Zurück auf ihre duft'ge Spur.
Es bringt kein Traum von einst'gen Tagen,
Kein Hoffen künft'ger mir Gewinn --
Nur um die Rosen laßt mich klagen,
Die holden Rosen sind dahin!