Als ich dich sah in holder Scham

P. Tietz

Als ich dich sah in holder Scham

Zum ersten Mal erprangen,

Wie wundersam, wie wundersam

Ist's meiner Seel' ergangen:

Gleich wollte sie vor Wonn' und Lust,

Mein Lieb, die Flügel heben,

Und sturmesschnell aus meiner Brust

Zu dir hinüberschweben!

Und als ich zagend sprach zu dir:

Sag, willst du sein mein eigen?

Und lächelnd du gabst Antwort mir

Mit zaubrischem Verneigen,

Und ich -- weiß nicht, wie mir's geschah --

Dich an mein Herz gezogen:

Hilf Gott! da war, eh' ich's versah,

Die Seele mir entflogen!

In deinem Busen ließ im Nu

Glückselig sie sich nieder,

Da wohnt sie nun voll Freud' nnd Ruh,

Kehrt nimmer, nimmer wieder:

So muß ich denn mit gutem Grund

Dir in die Augen sehen,

Ich will ja nur, mein Lieb, allstund

Nach meiner Seele spähen!