O seht! am Saum des Firmaments
P. Tietz
O seht! am Saum des Firmaments
Ziehn holde Frühlingswölkchen wieder!
Ei, kommst du endlich, schöner Lenz,
Du lang ersehnter, zu uns nieder?
Wie spähten in des Sturms Gebraus
Die Vöglein schauernd nach dir aus!
Wie harrten dein in stummen Weh
Die armen Blumen unterm Schnee!
Fast schien's, als hättst du vergessen die Welt,
Und hätte der Winter behalten das Feld!
Doch war's ihr Trost: Von Ewigkeit
Weiß Gott für Alles die rechte Zeit!
Und nun -- vergessen ist jedes Leid,
Und was da blühen kann und singen
Will Gott ein Freudenopfer bringen,
Und was da rauschen kann und strahlen
Will ihm des Danks Gelübde zahlen!
O wer es ganz verstände das Lied,
Das jetzt im Lenze die Welt durchzieht!
Ei, schwing' auch du dich himmelwärts,
Und jauchze mit, o Menschenherz!
Mit der blitzenden Sonne, dem Himmelblau,
Mit dem wallenden Strome, dem Grün der Au,
Mit der Lerch' in den Lüften, dem Blumenstern
Jauchz' und singe Gott, dem Herrn!