Dein Bild

P. Wolfrum

Die Sonne sinkt, die Berge glüh'n,

Und aus des Abends Rosen

Seh' ich so schön dein Bild mir blüh'n,

So fern dem Hoffnungslosen.

Strahlt Hesperus dann hell und mild

Am blauen Himmelsbogen,

So hat mit ihm dein süßes Bild

Die Sternenflur bezogen.

Im mondbeglänzten Laube spielt

Der Abendwinde Säuseln;

Wie freudig um dein zitternd Bild

Des Baches Wellen kräuseln!

Es braust der Wald, am Himmel zieh'n

Des Sturmes Donnerflüge,

Da mal' ich in die Wetter hin,

O Mädchen, deine Züge.

Ich seh' die Blitze trunkenhaft

Um deine Züge schwanken,

Wie meiner tiefen Leidenschaft

Aufflammende Gedanken.

Vom Felsen stürzt die Gemse dort,

Enteilet mit den Winden,

So sprang von mir die Freude fort,

Und ist nicht mehr zu finden.

Da bin ich, weiß nicht selber wie,

An einen Abgrund kommen,

Der noch das Kind der Sonne nie

In seinen Schoos genommen.

Ich aber seh' aus seiner Nacht

Dein Bild so hold mir blinken,

Wie mir dein Antlitz nie gelacht;

Will's mich hinunter winken?