Abendphantasie

Paul Hindemith

Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt

Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd.

Gastfreundlich tönt dem Wanderer im

Friedlichen Dorfe die Abendglocke.

Wohl kehren jetzt die Schiffer zum Hafen auch,

In fernen Städten fröhlich verrauscht des Markts

Geschäftiger Lärm; in stiller Laube

Glänzt das gesellige Mahl den Freunden.

Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen

Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh und Ruh

Ist alles freudig; warum schläft denn

Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;

Unzählig blühen die Rosen, und ruhig scheint

Die goldene Welt; o dorthin nehmt mich,

Purpurne Wolken! und möge droben

In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb und Leid'!

Doch, wie verscheucht von törichter Bitte, flieht

Der Zauber; dunkel wird's und einsam

Unter dem Himmel, wie immer, bin ich -

Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt

Das Herz; doch endlich Jugend! verglühst du ja,

Du ruhelose, träumerische!

Friedlich und heiter ist dann das Alter.