Der verschwiegne Schäfer
Philipp Christoph Kayser
Grabet in die junge Rinde,
Schäfer, eure Flammen ein;
Tief und ewig soll Philinde
In mein Herz gegraben seyn.
Voll der süssesten Gefühle
Sey mein Busen; doch der Mund
Mache bey dem Saitenspiele
Niemals ihren Nahmen kund!
Reizender ist das Vergnügen,
Das nicht schimmert und nicht rauscht.
Unsre Freuden sind verschwiegen,
Ungestört und unbelauscht.
Selbst den Eid, den wir geschworen.
Flüsterten wir leis am Bach:
Eifersucht hat tausend Ohren,
Schilf und Bäche plaudern nach!
Wo Philindens Heerde weidet
Sieht man nie die meine gehn.
Selbst mein lüstern Auge meidet
Sie vor andern anzusehn.
Ich tan, ihren Nahmen nennen,
Sorglos, stehen, wenn sie singt,
Und ich scheine nicht zu kennen
Ihren Hund, der auf mich springt.
Schäfer, lernt von feinen Seelen
Kalte Worte, kalten Blick!
Nicht die Seligkeit erzählen,
Sie verschweigen, das ist Glück.
Immer, o Philinde, hülle
Unser Bündnis sich in Nacht!
Liebe suchet nur die Stille,
Wenn sie glücklich ist, und macht.
Unbedachtsam überfliesset
Stets ein Thor von seiner Luft;
Doch ein weiser Mann verschliesset
Selbst den Wunsch in seiner Brust.
Rein und heiß sind meine Triebe,
Ewig, Theure, bin ich dein:
Sage dir, daß ich dich liebe,
Aber sag es dir allein!