Der Strom der Zeit

(Philipp) Friedrich Silcher

Dunkel rauscht des Stromes Welle

Wo kein Stern am Himmel steht,

Niemand sah noch seine Quelle,

Niemand weiß, wohin er geht.

Was am Ufer fröhlich grünet,

Reißt er mit in seinem Gang,

Und des Stromes Gottheit sühnet

Weder Opfer noch Gesang.

Und es wird die Nacht so schaurig,

Und der Schiffer sieht kein Land,

Und die Erde steht so traurig,

Wie aus Gottes Blick verbannt.

Aber an des Äthers Bogen

Plötzlich tritt ein Stern hervor,

Und es schweigt der Groll der Wogen,

Und es reißt der Wolkenflor.

Stern der Liebe, den wir sehen,

Tröstend ist dein Angesicht!

Wirst nur du am Himmel stehen,

Dann vergeht die Erde nicht.