Mach Einen herrlich, Herr

R. Benesch

Mach Einen herrlich, Herr, mach Einen groß,

bau seinem Leben einen schönen Schooß,

und seine Scham errichte wie ein Tor

in einem blonden Wald von jungen Haaren,

und ziehe durch das Glied des Unsagbaren

den Reisigen, den weißen Heeresscharen,

den tausend Samen, die sich sammeln, vor.

Und eine Nacht gieb, daß der Mensch empfinge

was keines Menschen Tiefen noch betrat;

gieb eine Nacht da blühen alle Dinge,

und mach sie duftender als die Syringe

und wiegender denn deines Windes Schwinge

und jubelnder als Josaphat.

Und gieb ihm eines langen Tragens Zeit

und mach ihn weit in wachsenden Gewändern,

und schenk ihm eines Sternes Einsamkeit,

daß keines Auges Staunen ihn beschreit,

wenn seine Züge schmelzend sich verändern.

Erneue ihn mit einer reinen Speise,

mit Tau, mit ungetötetem Gericht,

mit jenem Leben, das wie Andacht leise

und warm wie Atem aus den Feldern bricht.

Mach, daß er seine Kindheit wieder weiß;

das Unbewußte und das Wunderbare

und seiner ahnungsvollen Anfangsjahre

unendlich dunkelreichen Sagenkreis.

Und also heiß ihn seiner Stunde warten,

da er den Tod gebären wird, den Herrn:

allein und rauschend wie ein großer Garten,

und ein Versammelter aus fern.