Edelweiß

R. Emmerich

Die Nebel hüllen Wald und Hag

In ihrem Schleier ein,

Es zittert zwischen Nacht und Tag

Ein fahler Dämmerschein.

Empor die Höh'n mit dreister Stirn

Der Hochlandsbursch sich schwingt,

Ihn schreckt nicht Abgrund, Riff und Firn

Und was Verderben bringt.

Ihm liegt die Gemse nicht im Sinn,

Nicht Aar noch Auerhahn,

Die allerschönste Älplerin,

Sie hat ihm's angethan.

Sie hat beflügelt ihn den Fuß,

Der Sehnsucht Ziel zu schau'n

Beim ersten gold'nen Sonnengruß,

Beim jungen Morgengrau'n.

Und lichter wird's, aus Nebeln taucht

Der Sonnenball empor:

Da ruht sie rosig angehaucht

Und lacht zu ihm empor.