An die Wolke
R. Franz
Zieh nicht so schnell vorüber
An dieser stillen Haide,
Zieh nicht so scheu vorüber
An meinem tiefen Leide,
Du Wolke in der Höh',
Steh still bei meinem Weh!
O nimm auf deine Schwingen
Und trag zu ihr die Kunde:
Wie Schmerz und Groll noch ringen,
Und bluten aus der Wunde,
Die mir durch ihren Trug
Die Ungetreue schlug.
Und kommst auf deinen Wegen
Du an vor ihrem Hause,
So stürze dich als Regen
Herunter mit Gebrause,
Daß sie bei dunkler Nacht
Aus ihrem Traum erwacht.
Schlag' an die Fensterscheibe,
Und schlag' an ihre Thüre,
Und sei dem falschen Weibe
Ein Mahner an die Schwüre,
Die sie mir weinend sprach,
Und die sie lächelnd brach.
Und will sie das nicht hören,
So magst von deinem Sitze,
Du, Donner, dich empören,
Dann rüttelt, all' ihr Blitze,
Wenn ihr vorüberzieht,
An ihrem Augenlied sic!