Das singende Blut

R. Lillinger

Im flutenden Dunkel, halb erwacht

Und halb mit träumenden Sinnen,

Hör ich mein Blut durch die Mitternacht

Mit kristallenem Singen rinnen:

»Was bist du? Ein verdorrter Schaft,

Den ich mit Geist durchglute.

Mich zeugt der Erde tiefste Kraft,

Das Dunkel, dem ich mich entrafft,

Zu dem ich heimwärts flute.

Ein Lebenswille reißt mich los.

Durch schwindende Gestalten

Ström ich zurück zum Mutterschoß.

Mein Weg ist lang. Dich streift er bloß

Du kannst mich nicht behalten.

Der Becher, der dein Leben hält,

Ist ganz dem Dunkel zu eigen,

Mit jedem Atem, der zittert und wellt,

Löst sich ein Tropfen, splittert und fällt

Zurück in das ewige Schweigen.»

Das Blut erklingt, und die Stimme singt

Mich ein in purpurnen Traum,

Und die schwarze Welle des Schlafes trinkt

Sie auf in Dunkel und Raum.