In tiefen Nächten

R. Luengen

In tiefen Nächten grab ich dich, du Schatz.

Denn alle Überflüsse die ich sah,

sind Armut und armseliger Ersatz

für deine Schönheit, die noch nie geschah.

Aber der Weg zu dir ist furchtbar weit

und, weil ihn lange keiner ging, verweht.

O, du bist einsam. Du bist Einsamkeit,

du Herz, das zu entfernten Talen geht.

Und meine Hände, welche blutig sind

vom Graben, heb ich offen in den Wind,

so daß sie sich verzweigen wie ein Baum.

Ich sauge dich mit ihnen aus dem Raum,

als hättest du dich einmal dort zerschellt

in einer ungeduldigen Gebärde

und fielest jetzt, eine zerstäubte Welt,

aus fernen Sternen wieder auf die Erde

sanft, wie ein Frühlingsregen fällt.