Bleibe, Herr, o sieh und flehen
R. Müller
Bleibe, Herr, o sieh' uns flehen,
Finster bricht die Nacht herein;
Wolle nicht von hinnen gehen
Jetzt in dieser schweren Pein!
Herr, wenn du auch uns verließest,
Uns in unsrer Noth verstießest,
Ach, wie müßt' uns Armen sein!
Bleibe, bleibe, du die Sonne
In der tiefsten Dunkelheit;
Bleibe, Herr, du unsre Wonne
In der bängsten Traurigkeit;
Du, im Tod auch unser Leben,
Unsre Stärke, wenn wir beben,
Unser Heiland jederzeit!
Bleibe, bleibe, muß nun dringen
Durch die Seel' ein scharfes Schwert;
Bleibe, muß in Staub sie ringen,
Du, der alles Graun verklärt!
Laß uns nicht allein im Jammer,
Bleib' in unsrer Trauerkammer,
Unser Trost, allein bewährt!
Bleib', ach bleib'! Du hast gelitten
Tausendfältig selber ja;
Liebster Jesu, laß dich bitten,
Geh' nicht wieder, bleibe da!
Alles, Alles muß uns frommen,
Mag das Allerschwerste kommen,
Bist nur du, nur du uns nah!