Wenn es Nacht schon im Thale
R. Müller
Wenn es Nacht schon im Thale,
Doch von oben noch glüht,
Wenn mit blutrothem Strahle
Die Sonne versprüht:
O wie klar sind zu sehen,
O wie scharf alle Höhn,
O wie prangend sie stehen,
O wie wunderbar schön!
Jede Zacke hell schimmernd,
Als wär sie von Gold,
Jedes Zweiglein hell flimmernd
Malt am Himmel sich hold;
Und je höher du spähest
Hinauf aus dem Thal,
Ist's nicht, ob du sähest
Alle Blättlein zumal?
Mein Herz, und hast geweinet
Du bang noch zur Stell,
Wenn fort dir nur scheinet
Das Himmelslicht hell!
Ach, je mehr dir will grauen
Blick nach oben, und klar
Wirst Alles du schauen,
Was dunkel dir war.