Waldlied
R. Palme
Der Wald, der Wald, der grüne Wald
Ist der Zigeuner Aufenthalt.
Bei Sonnenschein,
Bei Mondenschein,
Wenn heim die Vögel ziehn,
Wenn wieder Blumen blühn,
Bei Wettersturm und Trutz
Gibt uns sein Laubdach Schutz.
Er gibt uns Holz, wenn rauh der Nordwind weht,
Und Schattenkühl, wenn hoch die Sonne steht;
Die Vögel singen uns mit süßem Schall,
Es singt die Nachtigall,
Der Buchfink schlägt,
Die Wachtel weckt,
Das Rebhuhn schwirrt,
Die Taube girrt.
Frei ist unsre Pirsch;
Jetzt auf den Edelhirsch,
Jetzt auf das scheue Reh,
Den Falken in der Höh'.
Die Quelle schenkt den Trank,
Und fehlt uns Tisch und Bank,
Wir ruhen auf dem Moos
Im stillen Waldesschooß.
Wir zahlen keinen Zoll,
Kein Brückengeld,
Frei gehn wir durch die Welt,
Wie's uns gefällt.
Ja frei, ja frei!
Freiheit ist unsre Braut,
Ihr sind wir angetraut.
So leben wir im Waldrevier,
Bis unsre Stunde schlägt;
Dann ruhen wir
Im Walde hier,
Im stillen Waldesschooß,
Bedeckt mit Laub und Moos.