Ich weiss eine trauliche Stelle

R. Radecke

Ich weiß eine trauliche Stelle

Auf stiller, einsamer Flur,

Dort scheinet der Mond so helle,

Ein Baum beschattet sie nur.

Es trägt die moosige Rinde

Verquollener Namen viel,

Es treiben Vögel und Winde

Im Laube ihr lustiges Spiel.

Ein Mägdlein mit bleichen Wangen

Sitzt dort wie in schwerem Traum,

Die traurigen Blicke hangen

Am alten, düsteren Baum.

Der trägt auch zwei Namen, vereinet

Zu einem, von Thränen bethaut;

Was seufzet das Mägdlein und weinet,

So oft sie die Namen schaut?