Jung Niklas fuhr auf's Meer

R. Radecke

Jung Niklas fuhr auf's Meer,

Er kam nicht wieder her;

Schön Margreth bei der Mutter saß,

Das Auge thränenleer.

Und als herum ein Jahr,

Daß er gestorben war,

Sie schleicht hinaus in stiller Nacht.

Wie scheint der Mond so klar! -- --

"Wacht auf, ihr Söhne mein,

Hört Ihr die Möve schrein?

Ach großer Gott im Himmel,

Wo ist mein Töchterlein?" --

Sie liefen hin zum Strand,

Die Fackeln wohl zur Hand;

Ein Nachen schwamm auf hoher Fluth,

Im Kreise wie gebannt.

Es saßen zwei darein

So blaß im Mondenschein,

Sie herzten und sie küßten sich,

So blaß im Mondenschein.

Der Mond versank in's Meer,

Schwarz rollt die Fluth daher;

Ein Nachen trieb zum Ufer hin,

Trug keine Margreth mehr.