Ruhe am See

R. Radecke

Einsam oben auf dem Hügel

An des Felsens Überhang,

An des Seees blauem Spiegel

Ruh' ich Stunden, Tage lang.

Über mir das Laub der Bäume,

Um mich heller Frühlingsschein,

Wie in's Feenland der Träume

Schau' ich in den See hinein.

Was am Ufer steht und wehet

Und den ganzen Himmelsplan,

Was nur dort vorüber gehet,

Zeigt der treue Spiegel an.

Herz, mein Herz, was soll dein Schlagen?

Bist du wieder gar so wild,

Daß du nicht vermagst zu tragen

Wie der See des Himmels Bild?

Herz, mein Herz, was willst du bangen,

Herz, mein Herz, in deinem Weh'?

Sturm und Winter sind gegangen,

Hell und ruhig steht der See!