Silberhochzeit-Lied
R. Radecke
War das nicht Klang von Hochzeitsglocken
Der sanft aus weiter Ferne klingt,
Indeß um braune Mädchenlocken
Sich grün das Reis der Myrthe schlingt?
O grüner Kranz -- du bräutlich Zeichen,
Das sich der Liebe Glück erwählt --
Wie strahlst du herrlich ohne Gleichen,
Wenn Herz dem Herzen sich vermählt!
Und was in feierlicher Stunde
Das Herz versprach, der Mund gelobt,
In fündundzwanzigjährigem Bunde
Hat sich's als echt und wahr erprobt.
Und treu in Freuden, treu in Sorgen,
Dem Leben und der Kunst getreu:
So grüßen wir an diesem Morgen
Das hochzeitliche Paar auf's Neu!
Denn Rosen blühn nicht nur im Lenze,
Der Sommer auch hat seinen Glanz;
Und sieh' -- der herrlichste der Kränze,
Das ist der Treue Silberkranz.
Und abermals durch viele Jahre
Mag er Euch scheinen lieb und hold:
Bis einst auf Eure Silberhaare
Sich leise senkt ein Kranz von Gold!