Tagesanbruch

R. Radecke

Der Mond dort über den Wolken,

Die Sterne um ihn her,

Sie schwimmen selig durch's dunkle

Tief blaue Himmelsmeer.

Sie leuchten und sie blinken

Und spielen in kindischem Scherz,

Und jedem, der sie schauet,

Dem wird so fromm um's Herz.

Noch schlummert die laute Erde

Mit ihrem Ach und Weh,

Nur leise Schauer wehen,

Verkündend des Tages Näh'. -

Da röthet sich's im Osten,

Da flammt herauf der Tag:

Im Himmel und auf der Erde

Wird's hell und laut und wach.

Die blinkenden Sterne fliehen

Vom Tagesglanz verscheucht,

Der Mond zieht still von hinnen,

Sein mildes Licht erbleicht. - -

O meiner Jugend Träume,

Was ist geschehen mit euch?

Du meiner Jugend Liebe

Wie bist du worden so bleich!