Und du versagst es mir?

R. Radecke

Mich fesselt bangen Zweifels voll

Dein liebes Angesicht;

Ob je der Lenz mir lächeln soll,

Dein Auge sagt es nicht:

Begehr' ich doch mit Ungeduld

Nur einen Blick von dir,

Doch auch die leichte, kleine Huld,

Auch die versagst du mir!

Die Ruh, die dies entflammte Blut

Vor dir so lang verhüllt,

Weicht plötzlich der zu heißen Glut,

Die meine Brust erfüllt;

Bald ungestüm, bald leis und schwer

Verräth ein Wort sich dir --

Ich bitte dich so sehr, so sehr

Und du versagst es mir!

Das Lied, der Seele goldner Schmuck,

Verrauscht an deinem Ohr,

Kein Kuß, ach! nicht ein Händedruck

Hebt mich zu dir empor.

Ich seh' aus dich als mein Geschick,

Ich beuge mich vor dir,

Ich fleh' um einen flüchtgen Blick --

Und du versagst es mir?