Weihnachten
R. Radecke
Heilige Nacht! Geheimes Thauen
rings auf Bethlehems Blumenauen.
Fromme Hirten seh' ich wallen
nach des Gotteskindes Spur,
einen Hymnus hör' ich schallen
hoch aus stiller Sternenflur
über Länder, durch die Meere:
"In den Höhen Gott die Ehre!"
Christusknabe, Christusknabe!
Höchsten Gottes Opfergabe!
Du, mit himmlisch sanftem Blicke,
den die Jungfrau uns gebar,
zu erfüllen die Geschicke
dort auf Salems Sühnaltar,
unter Wundern keines größer!
"Ave! Ave! Welterlöser!"
Hohen Seherspruchs Erfüllung,
längsten Leids ersehnte Stillung;
frohe Botschaft von dem Sohne,
der aus Sclaven Freie wirbt,
brause hin durch jede Zone,
wo ein Herz in Gram erstirbt:
"Heut auf Erden sei beschieden
allen guten Menschen Frieden!"