Provençalisches Liebeslied

R. Schaab

Die Lüfte lind sich schwangen

Zu mir aus Euerm Land,

Als käm' ein Duft gegangen

Vom Paradies gesandt.

Ist mir doch Herzensbangen

Um Eine nur bekannt,

Zu der irrt mein Verlangen,

Für die bin ich entbrannt,

Von Allen abgewandt,

Um nur an ihr zu hangen.

Ach, wenn mich nur beseelen

Die Augen süß und klar,

Soll größre Gunst auch fehlen,

Bin ich ein Gott fürwahr.

Was sollt' ich das verhehlen,

Der stets so offen war!

Nur wird ihr Wort mich quälen,

Deß denk' ich immerdar:

Den Feigen schreckt Gefahr,

Muth soll den Wackern stählen.

Könnt Ihr ein Herz versehren,

Das stets nur Liebe sann?

In Sehnsucht mich verzehren,

Verschmachten muß ich dann.

Ach wollt Ihr das gewähren

Und seht mich freundlich an,

So muß mein Herz sich klären,

Denn aller Gram zerrann.

Noch preßt er mich; ich kann

Mich nimmer sein erwehren!

Es kommt mir oft zu Sinne,

Wie schlimm der Frauen Art,

Da selten ihre Minne

Dem treuen Liebsten ward.

Nicht, daß ich Schimpf ersinne!

Den wüßt' ich gern erspart,

Doch daß ein Schelm gewinne

Mit Trug die Liebe zart,

Dünkt mich unbillig hart,

Da ich so glücklos minne.

Wär' nimmer auf der Erden

Die schnöde Klätscherbrut,

Glückselig könnt' ich werden;

Doch sinkt mir nicht der Muth.

Mit freundlichen Geberden

Getröstet sie mich gut,

Und, kann sie's nicht gefährden,

Sie wohl noch Süßres thut.

Ach, wer beglückt ist, ruht,

Wer glücklos, trägt Beschwerden!

Ist Gott mir wohlgewogen,

Mein Glück verschmäh' ich nicht;

Und eh ich weggezogen,

Sprach sie nicht klar und schlicht,

Sie habe Lust gesogen

Aus jeglichem Gedicht?

Daß unterm Himmelsbogen

So Manchem doch gebricht

Das helle Freudenlicht,

Das damals mich umflogen!

Hat sie mich nicht betrogen,

Bin ich voll Zuversicht;

Sonst acht' ich für erlogen,

Was je ein Weib verspricht.