Am Waldsee

R. Steuer

Da draußen an der Halde,

Da singt ein Vöglein frei:

Jung Blut, geh' nicht zu Walde,

Im Walde wohnt die Fei.

Bei Tag im Grase funkelt

Ihr schuppiger Schlangenleib!

Doch wenn der Abend dunkelt,

Wird sie ein schönes Weib.

Sie sitzt in Mondscheinnächten

Am schwarzen See im Tann,

Und löst die langen Flechten,

Und lockt den Wandersmann.

Da blitzen ihr die Augen

Wie blauer Edelstein;

Ihre kalten Lippen saugen

Sein rothes Leben ein.

Es schallt wie Wonn' und Grausen

Ihr Lachen durch die Nacht,

Bis fern mit kühlem Sausen

Der Morgenwind erwacht.

Dann ächzt es in den Tannen,

Dann braust's im Wogenschlund;

Eine Schlange rauscht von bannen,

Eine Leiche liegt am Grund.