Frühlingsräthsel
R. von Hornstein
O Herz, was ist mit dir gescheh'n?
Im Maienmonde Grillen!
Jetzt, da die Rosen aufersteh'n
Und ihre Würzgerüche weh'n,
Um jeden Harm zu stillen,
Jetzt kann dich Leid erfüllen?
Ich weiß wohl, ist's auch lange her,
Von andern Maientagen,
Da warst du nicht so freudenleer,
Zu lachen kam dir da nicht schwer,
Ich mußte oft dich sagen:
Kannst du das Glück ertragen?
Und nun in all' der Lust so trüb,
In all' dem Drang so stille!
Sag' an, wo dir der Jubel blieb,
Hast du nicht mehr das Leben lieb?
O Herz, wo ist dein Wille,
Wo deiner Hoffnung Fülle?
Du scheinest wie der Eichenbaum
Vom Lenz dich auszuschließen,
Er hängt am längst entschwundnen Traum,
Man sieht ihn leise knospen kaum, --
Doch bald von Haupt zu Füßen
Wird junges Laub ihm sprießen.